Wenn man ein (kleines) Kind hat, bleibt wenig Zeit für etwas anderes. Das weiss jeder der Kinder hat. Es ist toll die Entwicklung mit zu erleben. Da verändert sich so schnell so vieles. Es kommen die Zähne, es wird gekrabbelt anschliessend gelaufen, gebrabbelt und ehe man sich versieht sind sie 5 Jahre alt, gehen in den Kindergarten und bekommen den Mund erst wieder zu wenn sie schlafen gehen – so wie meiner jetzt.

Aber ich möchte hier nicht erzählen wie schön es ist wenn man Kinder hat, oder wie anstrengend es manchmal sein kann. Nein, mir geht es heute eher darum zu erzählen, wie anstrengend es ist, wenn Kinder da sind und der Partner verstirbt. Es geht darum, wie man versucht alles unter einen Hut zu kriegen obwohl man gerade gar keine Kraft mehr hat. Keine Kraft, nicht einmal für sich selbst, und was Du für Dich tun kannst. Es ist wichtig!

Mein Sohn wurde eine Woche nach dem Tot meines Mannes ein Jahr alt. Ich habe schnell gemerkt, dass die Zeit so wie ich sie gebraucht hätte um zu trauern, nicht möglich war mir zu nehmen. Das war auf der einen Seite gut, ich war gezwungen etwas zu tun, ich war abgelenkt und beschäftigt. Auf der anderen Seite, kostete es mich extrem viel Kraft. Und die fehlte mir ganz oft. Ich hatte sie einfach nicht. Ich war oft nicht präsent. In meinen Gedanken war ich bei Micha, konnte mich nicht lange konzentrieren, war erschöpft und auch schnell abgelenkt. Ich hatte das Gefühl in einer Seifenblase zu sitzen und ein Film läuft an mir vorbei – alles war unwirklich und doch war es mein Leben, welches da an mir vorbei braust. Oft hab ich gedacht „Die Welt steht doch still, wieso nur dreht sie sich für alle anderen weiter?“

Mein Sohn hat mich dann oft aus meinen Gedanken gerissen oder ich habe es irgendwann selber gemerkt, und mich wieder bemüht bei meinem Sohn zu sein. Damit ich mich mit ihm beschäftigen konnte.

Man kann also sagen, ich stand eine ganze Weile einfach unter Schock. Und trotzdem hatte ich noch eine weitere Aufgabe, ich wollte und musste Mama sein.

Geht es Dir auch so?

  • Verschwindet immer wieder deine Aufmerksamkeit
  • Kreisen oder schweifen deine Gedanken immer wieder ab
  • Kannst du dich nicht lange konzentrieren
  • Hast du wenig Geduld
  • Bist du nicht belastbar
  • Hast Du das Gefühl überfordert zu sein
  • Bleiben Dinge liegen wie z.B. der Haushalt
  • Fühlst Du Dich wie in einer Blase und nimmst alles als unwirklich wahr

Es ist ein Teil deiner Trauer und absolut normal.

Was kannst Du tun wenn Du trauern möchtest und auch noch Mama bist?

Du darfst es Dir so einfach und leicht machen wie möglich!

Das heisst: Lass Dir helfen! 

Hol Dir Unterstützung! Du musst nicht alles alleine wuppen!

1. Such Dir einen Platz bei einem Therapeuten oder Trauerbegleiter

Ich hatte es schon in meiner Geschichte erzählt, dass ich nach drei Monaten ca. endlich einen Platz bei meinem tollen Therapeuten bekommen habe. Ich war damals so froh! Dort war mein Ort der Trauer. Mein Therapeut fragte mich zu Beginn, was ich mir in der Zeit, in der ich bei ihm bin, wünschen würde. Meine ganz klare Antwort war: „Ich möchte einen Ort um trauern zu können. Zu Hause kann ich das nicht.“ Das war mein Wunsch, dem ich dort auch nachgehen durfte.

Super, jetzt hatte ich zwar einen Platz bei meinem Therapeuten, aber wohin mit Junior? Familie wohnte zwei Stunden weit entfernt, Freunde waren alle arbeiten. Was tun? Ich weiss gar nicht mehr genau wie ich darauf kam oder wer mich dorthin vermittelt hat. Aber, es war mir eine riesige Unterstützung!

2. Frage in Deiner Gemeinde nach Unterstützungsmöglichkeiten

Frage in Deiner Gemeinde/Landkreis nach, oder lass nachfragen, ob es einen Verein gibt der Familien unterstützt die in Not geraten sind. Denn ich bekam vom Verein Koki, ein Netzwerk für frühe Kindheit, welche Familien mit Babys und Kleinkinder bis drei Jahre in schweren Situationen unterstützen, eine Tagesmami gestellt. So konnte ich mir zwei Stunden Zeit nehmen, um zu meinem Therapeuten und auch noch eine Kleinigkeit einkaufen zu gehen. Nach ein paar Monaten wurde neu besprochen und gemeinsam reflektiert wie es läuft. Ich bekam anschliessend noch einmal zwei Stunden gut – somit konnte ich tatsächlich auch einmal zwei Stunden nur für mich etwas tun.

Das tat mir wirklich gut!

Was ich dabei gelernt habe ist, dass es in wirklich schwierigen Zeiten, doch auch ab und an Lichtblicke im Leben gibt. Gute Menschen mit dem Herz am rechten Fleck kreuzen einen den Weg und begleiten einen ein Stück. Sie setzen sich ein, bemühen sich und unterstützen.

3. Nutze Deine Freunde, Nachbarn, Familie

Sie können Dich im Haushalt, bei Behördenkram, in der Kinderbetreuung, beim Kochen, einkaufen oder im Haushalt unterstützen. Vermutlich sind sie dankbar darüber für Dich ganz konkret da sein zu können um Dir zu helfen. Du darfst das annehmen, ohne ein schlechtes Gewissen! Du würdest das vermutlich auch tun, wärst Du in der Rolle der Anderen.

Ich habe mich vor allen Dingen auch am Wochenenden bei Freunden zum Mittagessen eingeladen, weil ich gerade da besonders schwierig fand, alleine mit meinem Sohn zu sein. Und so konnte er mit den anderen Kindern spielen und hat etwas Normalität leben können.

4. Beantrage über Deinen Hausarzt eine Trauer-Kur für Dich und Deine Kinder

Die Kur kannst Du nach sechs Monaten antreten. Sechs Monate deshalb, weil man sagt, dass da der „Schockzustand“ nachgelassen hat und die Therapien besser wirken kann, Du mehr mitnehmen kannst in der Therapie. Mir hat die Kur wirklich gut getan! Vor allen Dingen, weil auch mein Sohn während meiner Therapiezeiten gut betreut wurde. Dort durfte ich trauern, hatte Zeit für mich und wurde auf allen Ebenen (Körper, Seele, Geist) gut betreut.

Dort triffst Du Familien mit einer ähnlichen Geschichte. Mir tat es damals unglaublich gut, mich nicht erklären zu müssen.

5. Sei liebevoll und geduldig mit Dir selbst

Das ist wohl mit das Wichtigste! Du tust Dein Bestes und leistest gerade eine ganze Menge! Verlange nicht zu viel von Dir! Sei liebevoll mit Dir und geduldig. Achte auf Dich, tu Dir Gutes. Lass den Wäschekorb oder den Staubsauger einfach mal liegen, das ist okay. Keiner erwartet, dass Du eine geleckte Wohnung hast! Wichtig ist, dass Du nicht unter die Räder gerätst. Der kleine Seelenstreichler kann Dir auch noch einmal Anregungen geben was Du für Dich tun kannst!

 

Hier ein paar Ideen und Adressen die Dich unterstützen können:

Hast Du weitere Seiten oder Ideen, die hilfreich sind, schreib es gerne noch in die Kommentare oder melde dich hier bei mir, dann ergänze ich die Liste! Ich danke Dir! Hier ein paar Beispiele