Ja das ist doch mal eine gute Frage. Wie lange braucht man um zu trauern? Gibt es da eine allgemein gültige Zeit? Braucht jeder gleich lang? Ein Trauerjahr, dann ist der Spuk bitte vorbei! Ein Jahr, keinen Tag länger. Wie bei allem, wenn es um den Menschen geht, ist das absoluter Humbug! Wie lange jeder einzelne braucht zu trauern kann keiner im Vorfeld sagen. Die Trauer braucht Zeit, viel Zeit. Meiner Meinung nach trauern wir, wenn wir einen geliebten uns nahen Menschen verloren haben, ein Leben lang. Schliesslich fehlt ja nicht irgend jemand, sondern jemand sehr Wertvolles und Wichtiges! Da kann man nicht nach ein paar Wochen oder zwei, drei Monaten der Meinung sein wieder zu funktionieren und alles sei wieder gut. Selbst nach einem Jahr, ist das nicht der Fall. Viel zu lange steht man unter Schock und funktioniert nur. Manchmal kann man auch gar nicht trauern, weil viel zu viel anderer Kram erledigt werden muss, die liebe Bürokratie zum Beispiel. Oder aber man hat noch kleine Kinder zu versorgen. Tja, wo, wann und wie kann man dann trauern? Und wie läuft das mit der Trauer sonst so ab?

In meinem Verständnis setzen wir uns mit drei Dingen immer wieder auseinander:

  1. mit der geliebten Person, die verstorben ist
  2. mit den Gefühlen, die auf einmal da sind und
  3. mit sich selbst

Sich mit der verstorbenen Person auseinander setzen

Meine Güte, wie gerne ich von meinem Mann erzähle. Ich weiss nicht, ob es Freunde oder meine Familie nervt, aber ehrlich gesagt ist es mir schnurz. Ich brauche das, ich erinnere mich gerne an meinen Micha. Und es vergeht auch kein Tag an dem ich nicht an ihn denke oder von ihm erzähle. Mein Sohn bekommt auch jeden Abend seinen „Gute-Nacht-Kuss“ von seinem Papa, und das seit über vier Jahren. Mal sehen wie lange ich ihm den noch geben darf…

Es sind ganz unterschiedliche Momente, die mich an ihn erinnern. Plötzlich kommen mir Sprüche oder Sätze in den Sinn wie z.B. dass „Salat Verschwendung von Hunger sei. Ein anständiges Stück Steak auf dem Grill ist da doch wohl viel schmackhafter.“ Und schon grinse ich wieder. Diese Momente bringen mir Micha wieder ganz nah, und ich schmunzle oder kann sogar lachen, weil die Situation so urkomisch war.

Es ist so wichtig einen Platz für seinen geliebten Menschen zu finden. Wichtig ist es doch den Kontakt, die Liebe, die uns verbindet zu behalten und einen Ort zu bekommen wo dieser spürbar bleiben kann. Und das kann er nur, wenn wir uns erinnern. Die Erinnerungen sind unsere kostbarsten Schätze – gebt auf sie acht!

  • Wo oder bei was fühlst Du Dich Deinem geliebten Menschen nah? Gibt es einen konkreten Ort? Oder ist es auch eher etwas was Du fühlst, so wie ich?
  • Was sind Deine Erinnerungsschätze?

Sich mit den Gefühlen auseinandersetzen

Oh je, die Gefühle! Wenn die nicht wären, dann wäre die Sache mit der Trauer um einiges einfacher. Da wäre das Ganze erträglicher. Was da nicht alles so auf einen einprasselt. Auf das kann man doch gerne auch verzichten. Traurigkeit, Einsamkeit, Angst, Verzweiflung, Wut …. und noch jede Menge anderer komischer Gefühle, die kein Mensch braucht. Wer will diese fiesen Gefühle denn überhaupt haben? Ich jedenfalls nicht! Ich bin eine lebensfrohe, offene, optimistische und lustige Person. Ich brauche dieses schreckliche Zeug sicher nicht.

Aber was ist das? Spitzt da nicht auch ab und zu die Hoffnung durch die dunklen und dichten Wolken meines Gemüts? Oder ein kurzer Moment der Freude, der Dankbarkeit und ein schmunzeln oder lachen verändert nicht nur meine Gesichtszüge, sondern auch für einen Moment meine Stimmung? Wie kann das sein?

Man könnte also sagen, in der Trauer zu sein gleicht einem bunten Strauss Blumen der Gefühle. Diese Achterbahnfahrten sind sehr anstrengend. Denn oft wechseln die Gefühle sehr schnell, das machen sie erst einmal gefühlt unberechenbar. Es ist also gut, wenn Du Dir Pausen gönnst. Dir Zeiten zum durchatmen nimmst.

Ich verspreche Dir, die Heftigkeit und das Wechselbad Deiner Gefühle, das Unberechenbare wird nicht auf Dauer so bleiben! Auch zu Beginn wirst Du Momente erleben, in denen Du durchatmen kannst, unser Körper unsere Seele, unser Geist passen auf uns auf.

  • Welche Gefühle nimmst Du im Augenblick war?

Sich mit sich auseinander setzen

Manchmal machen wir „verrückte“ Dinge in der Trauer. Aber ich verrate Dir was – es ist auch eine ver-rückte Situation. Es läuft ja nicht normal weiter, wie gewohnt. Deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn man „verrückte“ Dinge tut! Solange Du Dir damit nicht auf lange Sicht schadest ist Dein verrücktes Verhalten ganz normal und gehört dazu! Ich zum Beispiel konnte monatelang kein Radio hören, weder zu Hause noch im Auto. Ich glaube, ich habe sogar bei meiner Familie das Radio einfach ausgeschalten. Und ich habe Micha`s Kleidung, seine Hemden, Jacken etc. monatelang dort belassen wo sie waren. Ich habe sie nicht weg geräumt. Ich konnte es einfach nicht.

Das hat auch wieder etwas mit unseren Gefühlen zu tun. Wir versuchen uns dadurch zu schützen. Durch anderes Verhalten wie sonst, können wir unsere Angst, Einsamkeit etc. in Schach halten. Das ist auch gut so und darf auch erst einmal so sein.

So, und jetzt zu Dir:

  • Was brauchst DU?
  • Was tut DIR gut?
  • Wie kannst Du DEINEN Boden unter DEINEN Füssen wieder spüren?
  • Wo kannst DU DIR Hilfe holen?
  • Wobei brauchst DU Unterstützung?

 

Wenn Du möchtest, bin ich gerne für Dich da. Schau doch mal hier.

Alles Liebe für Dich

Katharina